» Deutschland

Kategorie: Leben, Medien, Politik
19. Februar 2008

Die FDP, seit Guidomobil und Spaßpartei händeringend um Seriosität bemüht, schafft es aus irgendeinem Grund doch immer wieder, sich lächerlich zu machen.

Was ärgerlich ist; denn gerade liberale Positionen sollten ernsthaft und verantwortungsvoll vertreten werden. Bloß wirken die Protagonisten öfter halbherzig. Inhalte beispielsweise zählen selten; lieber verlässt man sich auf eine altvertraute Fernsehvisage – wie der folgende Werbeclip beweist:

Ein Werbefilmchen, dachte sich die FDP, das ist schick, damit erreicht man die Bloggersphäre, das ist FDP 2.0, usw. Anscheinend hatten die verantwortlichen Marketingstrategen aber nicht nur fleißig youtube geguckt (dort wurde der Streifen zuerst veröffentlicht), sondern waren auch bestens informiert über das Konzept des “Viralen Marketing”. Virales Marketing, haben sie sich gedacht, das wär’s doch – und verschickten ihren Werbestreifen per e-mail an verschiedene Blogger. Der Clou: Absender (Niklas Sörensen) und Adresse (GMX) ließen in keiner Weise erahnen, dass es sich de facto um Werbung handelte.

“Hallo! Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH? Wäre das nicht was für deinen Blog?”

Mmh: Der Film ist ja offensichtlich in diesem Blog gelandet. Ob er freilich die Wirkung haben wird, die man sich erhofft haben mag, wage ich zu bezweifeln. Die Partei hat sich übrigens inzwischen abmahnen lassen und verschickt keine anonymen Werbe-Mails mehr.    [...mehr]


Kategorie: Politik
18. Februar 2008

Die Landtagsfraktion der niedersächsischen Linken hat Christel Wegner heute einstimmig ausgeschlossen.

Wegner hatte sich im Rahmen eines Interviews für die ARD-Sendung “Panorama” für den Mauerbau an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und die Wiedereinführung der Staatssicherheit ausgesprochen. Wegner, 60, ist seit Parteigründung 1968 Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP); über ein sogenanntes Crossover-Verfahren durfte sie auf der Liste der Linken kandidieren und gelangte 2007 an ihr Landtags-Mandat. Zu den verschiedenen Aufforderungen, ihr Mandat niederzulegen, hat Wegner sich noch nicht geäußert.

Der Wahlkampfleiter der Linken, Bodo Ramelow, erklärte, dass er fortan von Crossover-Kandidaturen abraten werde; im laufenden Wahlkampf in Hamburg steht allerdings ein DKP-Mitglied auf der linken Liste. Obwohl die Partei unmittelbar nach Veröffentlichung des Wegner-Interviews vielfach und scharf kritisiert wurde, dürfte der Ausschluss Christel Wegners aus der niedersächsischen Landtagsfraktion letztlich zur positiven Profilierung der Linken beitragen – ob sie es wollte oder nicht, Wegner hat geholfen, die Linke vom Image der SED-Nachfolgepartei – von dem die PDS sich nie ganz befreien konnte – etwas loszulösen. Fraglich ist natürlich trotzdem, wieviele Sympathisanten der Partei Wegners Aussagen im Stillen zustimmen mögen.




[...mehr]


Kategorie: Boulevard, Leben, Medien
31. Januar 2008

Im Moment kommt es wirklich Schlag auf Schlag. Gestern noch weist eine Studie die positive Korrelation zwischen Übergewicht und, salopp ausgedrückt, Dummheit nach. Heute macht der Alkohol Schlagzeilen.

In Ulm ist ein Mediziner, nachdem er einem Patienten ein neues Hüftgelenk eingesetzt hatte, bewusstlos zusammengebrochen. Der “Bild”-Zeitung zufolge hatte er etwa 2,4 Promille Alkohol im Blut. “Von dem Promille-Wert weiß ich nichts.”, zitiert “Spiegel Online” den 58-jährigen Professor, “aber den Alkohol im Blut bestreite ich nicht. Das war wohl Restalkohol.” Er habe sich inzwischen bei der Ärztekammer selbst angezeigt und sich “eine Auszeit verordnet”. Immerhin: Die Operation scheint erfolgreich gewesen zu sein.

Mit dem Alkohol muss man’s eben vorsichtig angehen. Sollte der Arzt seine Zulassung verlieren, dann könnte er sich womöglich in Hugo Egon Balders neuem Show-Konzept einrichten: Der Entertainer träumt von einer Talkshow mit dem Titel “Der Klügere kippt nach“. Balders Idee: In der Sendung werde “gebechert und über aktuelle politische Themen diskutiert. Etwa: Brauchen wir ein neues Jugendstrafrecht?”.

Wie zum Teufel soll man solche Neuigkeiten nüchtern verkraften?    [...mehr]


Kategorie: Boulevard, Medien
30. Januar 2008

Man möchte derzeit kein Eisbär sein in deutschen Zoos.

Besonders kein junger, der im Blitzlichtgewitter aufwachsen muss. Die öffentliche Anteilnahme am Leben eines jeden Polarbären unter 1 erreicht zusehends groteseke Ausmaße: So wusste eine große Berliner Zeitung in der vergangenen Woche zu berichten, es sei gut möglich, dass Knut an Aufmerksamkeitsdefizit leide und deshalb – ähnlich Britney Spears – den ein oder anderen Ausraster haben könnte. Von Sucht ganz zu schweigen.

Nun. Immerhin wird Knut (1) den Rummel um seine Person bald hinter sich haben: Ausgewachsene Eisbären sind nicht so niedlich. Eine Weile wird das Knut-Fieber freilich noch anhalten, immerhin wird’s einen Film über das kleine Raubtier geben. Wer jetzt schon genervt ist, der kann den süßen Fratz auch notschlachten.

Welch unerwartetes Glück bescherte da Flockes Geburt der deutschen Öffentlichkeit! Flocke ist nicht nur viel niedlicher als ihr blutrünstiger Cousin aus Berlin, sie hat auch schon ihren eigenen Blog. Eisbär 2.0 eben. Das ist viel hipper als so ein oller Kinofilm.

Auch nicht schlecht: Ein eigener Song. Knut hatte etliche. Flocke hat nun auch einen, er heißt “Fli-Fla-Flocke”. Moment mal! Das klingt ja wie … Jawohl! Aus dem Schnappi-Lied wurde ein Flocke-Song!

Aufgrund der ungeklärten Rechtslage (ist es ein Krokodilsong mit Eisbärtext oder umgekehrt?) wage ich nicht, den Song hier einzustellen. Stattdessen ein Video, das den kleinen Eisbär in seiner ganzen, äh, Pracht zeigt:



[...mehr]


Kategorie: Politik
28. Januar 2008

“Die Sozialdemokratie ist wieder da!”, erklärte eine siegestrunkene Andrea Ypsilanti am gestrigen Abend, und fügte frech hinzu: “Das gilt auch für die Bundesebene, meine Damen und Herren.”

Tatsächlich ist das Ergebnis, das die hessische SPD erzielt hat, eindrucksvoll; wenn auch sie nach Zahlen hinter Roland Kochs CDU zurückbleibt: Den letzten Hochrechnungen zufolge erreichte die CDU 36,8%, die SPD 36,7%. Diese Ergebnisse sind, angesichts einer Wahlbeteiligung von lediglich 64,4%, eigentlich nicht besonders gut.

Aber nach diesem Wahlkampf konnte man kaum etwas anderes erwarten. Kochs populistische Parolen scheinen dem Gedanken entwachsen, dass es in Zeiten einer Großen Koalition auf Bundesebene klarer Worte bedarf, wenn eine Partei sich profilieren möchte. Profiliert hat er sich ohne Zweifel; allerdings um den Preis seiner Macht. Übrigens sieht der berüchtigte PI-Blog – immer gut für ein paar Ressentiments – in Kochs Niederlage einen “Sieg der linken Medien“. Rührend.

Die CDU – 2003 errang sie noch die absolute Mehrheit – musste über zwölf Prozentpunkte gegenüber dem letzten Landtagswahlkampf einbüßen. Das ist deutlich.

Ebenso eindeutig fällt das Votum pro SPD aus: Noch vor wenigen Monaten hätte niemand der Ypsilanti-Partei zugetraut, es mit dem vermeintlich unantastbaren Roland Koch aufzunehmen. Sie haben sich getäuscht: Die Gewinne der SPD lassen sich durchaus als die Verluste der CDU verstehen.

Wobei man sich fragen muss, ob der Wähler nur Roland Koch für seinen populistischen Wahlkampf abstrafen wollte: Der Sieg der Hessen-SPD droht empfindliche Folgen auf Bundesebene zu haben – wie Frau Ypsilanti am gestrigen Abend bereits andeutete. Mit anderen Worten: Der vielbeobachtete “Linksruck” scheint vom Wähler bestätigt zu werden. Es steht zu befürchten, dass die Bundes-SPD sich vermehrt von ihrer Reform-Agenda abwenden und – um der anstehenden Wahlkämpfe Willen – dem allumsorgenden Sozialstaatsmodell der späten Siebziger zuwenden wird.

Man kann Herrn Clement seine offene Kritik kaum verdenken.    [...mehr]


Kategorie: Politik, Wirtschaft
24. Januar 2008

Der Präsident von Nokia, Oli-Pekka Kallasvuo, hat sich in einem Interview zur geplanten Schließung des Bochumer Standortes geäußert.

Kallasvuo, 54 Jahre alt, hat bei Nokia eine beeindruckende Karriere hingelegt: Anfang der Achtziger stieg er als Justiziar in das Unternehmen ein, 1990 war er bereits Senior Vizepräsident der Finanzabteilung, 1992 Stellvertretender Vorsitzender. Seit 2005 ist er Präsident des finnischen Unternehmens.

In einem Interview mit der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” äußerte sich Kallasvuo zu den Plänen, das Bochumer Werk zu schließen. Er unterstreicht, dass der Standort nicht wettbewerbsfähig sei. Die Entscheidung sei “nach sehr sorgfältiger Prüfung” gefallen. Während der durchschnittlicher Verkaufspreis eines Mobiltelefons in den vergangenen Jahren um rund 35 Prozent gesunken sei, seien die “Arbeitskosten in Deutschland um 20 Prozent gestiegen”. Die Produktion soll nach Ungarn, Finnland und Rumänien verlagert werden.

Von der Schließung des Werks werden voraussichtlich rund 2.000 Mitarbeiter und 800 Leiharbeiter betroffen sein; außerdem mehrere mit der Logistik betraute Unternehmen. Der finnische Handy-Produzent gab die Pläne zur Werksschließung am 15. Januar 2008 bekannt. Politik, Gewerkschaften und Presse kritisierten die Entscheidung – zumal Nokia in den Neunzigern Fördergelder der Europäischen Union erhalten habe. Das Bochumer Werk war, ehe es von Nokia 1988 übernommen wurde, eine der modernsten Fernsehfabriken Europas. Kallasvuo erklärt, Nokia habe “Zuschüsse für die Umrüstung der Fernsehproduktion in den Neunzigern erhalten. Danach nicht mehr”. Anders ausgedrückt: Bei den Zuschüssen handelte es sich um eine Aufwandsentschädigung. Das Unternehmen selbst habe, erklärte der Präsident, seit 1994 rund 600 Millionen Euro in den Standort investiert.

Mit Bad Homburg und Ulm bleiben zwei deutsche Standorte, an denen der finnische Konzern Mobiltelefone entwickeln lässt. Die Schließung des Bochumer Werks, soviel macht Kallasvuo klar, sei zwangsläufig. Dennoch protestieren die betroffenen Mitarbeiter weiter, wie zuletzt gestern:

Trotz der negativen Reaktionen erklärt sich Kallasvuo bereit, “mit den Betroffenen [zu] diskutieren und wirklich nach Lösungen [zu] suchen”. Auch habe er durchaus Verständnis für die derzeitige Kritik. Allerdings warne er davor, Nokia an den Pranger zu stellen – schließlich gebe es derzeit kein anderes Unternehmen, das in Deutschland Handys produziere. “Der Verbraucher”, so Kallasvuo, “wird keine Chance haben, ein Handy “Made in Germany” von einem anderen Hersteller zu kaufen”.    [...mehr]


Kategorie: Medien
17. Januar 2008

“Der Anfang vom Untergang”

… so lautet der aktuelle Titel des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”. Ein schlechtes Omen? Wie das Hamburger “Abendblatt” am Mittwochabend in einer Vorabmeldung berichtete, ist die Nachfolge des entlassenen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust geklärt. In einer Doppelspitze sollen Georg Mascolo, Chef des Berliner “Spiegel”-Büros, und Mathias Müller von Blumencron das Magazin leiten. Zuletzt erreichte der “Spiegel” beständig Auflagen in Millionenhöhe – daran werden die designierten Chefs gemessen werden. Ob der scheidende Chefredakteur beurlaubt wird, ist bislang nicht bekannt; ebensowenig die Details seiner Abfindung. Ich hoffe sehr, dass Mascolo & Müller genug Rückgrat beweisen, um die schleichende Boulevardisierung des “Spiegels” zu stoppen – auch um den Preis sinkender Auflagenzahlen.    [...mehr]


Kategorie: Wirtschaft
15. Januar 2008

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes belief sich das Staatsdefizit 2007 auf 0,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Wirtschaftswachstum fiel mit 2,5 Prozent zwar etwas schwächer aus als im Vorjahr (2,9%), aber insgesamt stand die deutsche Wirtschaft so gut da wie lange nicht: Bund, Länder und Kommunen nahmen rund 70 Millionen Euro mehr ein, als sie ausgaben. Grund für die vollen Kassen seien die verstärkten Investitionen der Unternehmen und das konstant profitable Exportgeschäft. Der private Konsum in Deutschland sei indessen zurückgegangen – ein Umstand, den das Statistische Bundesamt auf die Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 und auf die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, die sich besonders in teuren Lebensmitteln niederschlagen, zurückführt.

Nach Meinung vieler Experten muss man für das kommende Jahr mit einem geringeren Wachstum rechnen – zwei Prozent, heißt es, seien realistisch. Die Rohstoff-Krise ist noch lange nicht überstanden, und inwiefern die Krise des amerikanischen Dollar (Stichwort: Immobilienkrise) sich auf die europäische Wirtschaft auswirkt, ist noch völlig offen.    [...mehr]


Seite 21 von 21« Start...«1718192021