Nach den hohen Benzin-Preisen, droht den EU-Staaten nun eine neue wirtschaftliche Krise.
Der Präsident von Venezuela Hugo Chavez droht damit des Ölexport einzustellen. Grund dafür sei, dass die empfangenden Verbraucherländer sich zur Politik der Ölförderstaaten bekennen – wirtschaftlich gesehen ein sehr starkes Druckmittel.
Dieses Ölembargo bezieht sich insbesondere auf die aktuellen Richtlinien über Abschiebungen von Flüchtlingen. Wenn die Europäer Öl aus Venezuela beziehen wollen, dann müssen sie ihre im Parlament verabschiedeten Richtlinien überdenken. Chavez fordert einen maximalen Zeitraum von 18 Monaten Abschiebehaft, was innerhalb der kommenden 2 Jahre zum nationalen Recht werden soll – ansonsten droht das Aus von Ölexporten aus Venezuela. [...mehr]
… denn der Lebensmitteleinzelhandel macht erste Zugeständnisse. Der Kampf der Milchbauern für einen höheren Milchpreis scheint gewonnen zu sein. Nach zehn Tagen des Protestes zeigt sich der Einzelhandel erstmals verhandlungsbereit. Insbesondere Lidl ebnete den Milchbauern den Weg. Lidl war das erste Handelunternehmen, das den Preis für einen Liter Milch um 10 Cent und für 250 Gramm Butter um 20 Cent anheben wolle. Und weitere Handelsunternehmen, unter anderem Rewe, Netto, Tengelmann, Aldi und Plus, wollen folgen. Eine flächendeckende Erhöhung der Milchpreise scheint gesichert zu sein. Und die Milchbauern sehen ihre Forderung von 43 Cent den Liter Milch immer realistischer werden.
Das Preisniveau für Milch und Butter wird in den Tagen steigen. Dabei zeigen sich die Verbraucher preisunempfindlich. Denn sie sind bereit, einen höheren Milchpreis zu zahlen, sofern diese Preiserhöhung auch den Milchbauern zukommt.
Die Milchbauern konnten einen ersten Teilerfolg erzielen. Es bleibt zu hoffen, dass den Milchbauern ein marktwirtschaftlich fairer Milchpreis zugestanden wird. Denn die Lage ist sicherlich noch nicht entspannt. [...mehr]
Tausende Bauern folgten dem Aufruf des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und stoppten ihre Milchlieferungen an den Einzelhandel. Damit protestieren sie gegen die niedrigen Milchpreise. Momentan liegt der Erzeugerpreis zwischen 27 und 25 Cent pro Liter. Angesichts der steigenden Nebenkosten ist das für die Bauer viel zu wenig. Sie fordern mindestens 40 Cent pro Liter.
Konsumenten wird geraten, sich in den nächsten Tagen mit genügend Milch zu versorgen, denn der Lieferboykott könnte sich schnell ausweiten. In einigen Regionen haben sich bis zu 90 Prozent der Lieferanten an dem Streik beteiligt. Die produzierte Milch wird nun vielerorts an das Vieh verfüttert. Der Vizechef des BDM, Stefan Mann, rechnet mit der Solidarität der Milcherzeuger benachbarter Länder. Aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg wurden bereits dementsprechende Unterstützungsbekundungen verlautbart.
Pressevertreter zeigen sich skeptisch über die Erfolgsaussichten des Protestes. Denn mächtige Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Aldi werden sich wohl kaum die Preise von kleinen Milcherzeugern diktieren lassen wollen. So sieht zum Beispiel die Neue Westfälische die Bauern „am kürzesten aller denkbaren Hebel, eingekeilt zwischen mächtigen Handelskonzernen, sehr sparsamen Verbrauchern, zyklischen Weltmärkten und einer unentschlossenen Agrarpolitik.“ Auch für die Berliner Morgenpost handelt es sich bei diesem Streik um einen Kampf David gegen Goliath, da die Milchlieferanten damit rechnen müssen, später für ihre Aktionen bestraft zu werden. Wenigstens gelang es ihnen jetzt, medial auf dieses Problem aufmerksam zu machen.
Direkt Stellung bezieht man von Seiten Eon Ruhrgas nicht zu diesen Behauptungen. Über den tatsächlichen Erhöhungssatz und konkrete Preise wird auch noch beharrlich geschwiegen. Fraglich ist auch in welchem Maße der Endverbraucher dies zu spüren bekommen wird.
Geht es nach Meinung von Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftforschung(DIW), dann wird Gas bis Jahresende noch um weitere zehn Prozent teurer werden, was auch an dem hohen Stand der aktuellen Ölpreise liegt bzw. gebunden ist. Die Preise der Ölbeschaffung sind rapide gestiegen, denn das Erdgas ist im Gegesatz zum Erdöl in der Beschaffung nur in geringeren Mengen vorhanden, da es in wenig Ländern produziert wird.
Es werden sogar Vorwürfe laut, dass gegen Eon und RWE Kartellverfahren angestrebt werden, weil die Unternehmen scheinbar bewusst die Gaskapazitäten und deren Investitionen zurückhalten sollen. [...mehr]
Der Präsident von Nokia, Oli-Pekka Kallasvuo, hat sich in einem Interview zur geplanten Schließung des Bochumer Standortes geäußert.
Kallasvuo, 54 Jahre alt, hat bei Nokia eine beeindruckende Karriere hingelegt: Anfang der Achtziger stieg er als Justiziar in das Unternehmen ein, 1990 war er bereits Senior Vizepräsident der Finanzabteilung, 1992 Stellvertretender Vorsitzender. Seit 2005 ist er Präsident des finnischen Unternehmens.
In einem Interview mit der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” äußerte sich Kallasvuo zu den Plänen, das Bochumer Werk zu schließen. Er unterstreicht, dass der Standort nicht wettbewerbsfähig sei. Die Entscheidung sei “nach sehr sorgfältiger Prüfung” gefallen. Während der durchschnittlicher Verkaufspreis eines Mobiltelefons in den vergangenen Jahren um rund 35 Prozent gesunken sei, seien die “Arbeitskosten in Deutschland um 20 Prozent gestiegen”. Die Produktion soll nach Ungarn, Finnland und Rumänien verlagert werden.
Von der Schließung des Werks werden voraussichtlich rund 2.000 Mitarbeiter und 800 Leiharbeiter betroffen sein; außerdem mehrere mit der Logistik betraute Unternehmen. Der finnische Handy-Produzent gab die Pläne zur Werksschließung am 15. Januar 2008 bekannt. Politik, Gewerkschaften und Presse kritisierten die Entscheidung – zumal Nokia in den Neunzigern Fördergelder der Europäischen Union erhalten habe. Das Bochumer Werk war, ehe es von Nokia 1988 übernommen wurde, eine der modernsten Fernsehfabriken Europas. Kallasvuo erklärt, Nokia habe “Zuschüsse für die Umrüstung der Fernsehproduktion in den Neunzigern erhalten. Danach nicht mehr”. Anders ausgedrückt: Bei den Zuschüssen handelte es sich um eine Aufwandsentschädigung. Das Unternehmen selbst habe, erklärte der Präsident, seit 1994 rund 600 Millionen Euro in den Standort investiert.
Mit Bad Homburg und Ulm bleiben zwei deutsche Standorte, an denen der finnische Konzern Mobiltelefone entwickeln lässt. Die Schließung des Bochumer Werks, soviel macht Kallasvuo klar, sei zwangsläufig. Dennoch protestieren die betroffenen Mitarbeiter weiter, wie zuletzt gestern:
Trotz der negativen Reaktionen erklärt sich Kallasvuo bereit, “mit den Betroffenen [zu] diskutieren und wirklich nach Lösungen [zu] suchen”. Auch habe er durchaus Verständnis für die derzeitige Kritik. Allerdings warne er davor, Nokia an den Pranger zu stellen – schließlich gebe es derzeit kein anderes Unternehmen, das in Deutschland Handys produziere. “Der Verbraucher”, so Kallasvuo, “wird keine Chance haben, ein Handy “Made in Germany” von einem anderen Hersteller zu kaufen”. [...mehr]
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes belief sich das Staatsdefizit 2007 auf 0,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Wirtschaftswachstum fiel mit 2,5 Prozent zwar etwas schwächer aus als im Vorjahr (2,9%), aber insgesamt stand die deutsche Wirtschaft so gut da wie lange nicht: Bund, Länder und Kommunen nahmen rund 70 Millionen Euro mehr ein, als sie ausgaben. Grund für die vollen Kassen seien die verstärkten Investitionen der Unternehmen und das konstant profitable Exportgeschäft. Der private Konsum in Deutschland sei indessen zurückgegangen – ein Umstand, den das Statistische Bundesamt auf die Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 und auf die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, die sich besonders in teuren Lebensmitteln niederschlagen, zurückführt.
Nach Meinung vieler Experten muss man für das kommende Jahr mit einem geringeren Wachstum rechnen – zwei Prozent, heißt es, seien realistisch. Die Rohstoff-Krise ist noch lange nicht überstanden, und inwiefern die Krise des amerikanischen Dollar (Stichwort: Immobilienkrise) sich auf die europäische Wirtschaft auswirkt, ist noch völlig offen. [...mehr]
Was ist Olaf Scholz froh, dass er im vergangenen Jahr den Ministerposten für Arbeit und Soziales übernommen hat. So hatte er die wunderbare Aufgabe ein Rekordjahr in Sachen Arbeitslosigkeit zu verkünden und tat dies mit stolz geschwellter Brust.
Seit über 15 Jahren war die Zahl der Arbeitslosen nicht mehr so niedrig wie im Dezember 2007. Die Bundesagentur für Arbeit meldete lediglich 3,4 Millionen Arbeitslose, was m Vergleich zum Vorjahr bedeutete, dass es 600.000 Arbeitslose weniger gab, als 2006. Über das ganze Jahr hinweg gesehen, war es mit 711.000 Arbeitslosen weniger der größte Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik. Auch die Zahl der Erwerbstätigen befindet sich mit über 39 Millionen auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Bei so vielen Rekorden aus den verschiedensten Blickwinkeln der Statistik, ist man letztendlich doch froh, dass der Aufschwung endlich den Arbeitsmarkt erreicht hat.
Im Rausch der guten Nachrichten ist gestern eine Sendung auf RTL untergegangen, die eine ganz andere Realität gezeigt hat. Wenn man zuvor die Nachrichtensendungen verfolgt hat, muss man sich gefragt haben, zu welchem Zeitpunkt die neue Doku-Soap „Die Arbeitsbeschaffer“ gedreht wurde. Das müssen gefühlt gleich Jahre gewesen sein. In der gestrigen Folge ging es darum, dass ein motivierter privater Arbeitsvermittler die Familie Jahn aus Halle ins Arbeitsleben zurückholen wollte. Das Problem der Familie hat der Autor des Spiegel-online Artikels Reinhard Mohr treffend auf den Punkt gebracht: „Eine nett eingerichtete Wohnung im Hallenser Plattenbau, in der sich die inzwischen auch im Osten üblich gewordene Patchwork-Familie den Tag vertreibt. Das Problem: Niemand hat Arbeit oder einen Ausbildungsplatz. Seit 2001 geht das nun schon so, und vor allem bei Vater Rainer Jahn haben sich jahrelange Kränkung, Passivität und Perspektivlosigkeit tief ins Gesicht eingegraben.“
Es ist wirklich unglaublich, wie es RTL gelungen ist, die tollen Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit ad absurdum zu führen. Die neugewonnene Euphorie weicht Entsetzen und Wut über soviel Tristesse und sich Ergeben in seinem Schicksal. Am Ende kann man froh sein, dass es dem engagierten Arbeitsvermittler gelingt, der Tochter einen Ausbildungsplatz zu ermöglichen. Das Bild, mit welchem sich die Familie Jahn gestern in Köpfen vieler Menschen manifestiert hat, wird auch mit weiteren positiven Nachrichten über Jahre hinweg nicht vertreiben lassen. [...mehr]