Zypernkonflikt – Eroglus Wahlsieg gefährdet Friedensgepräche

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter April 26, 2010 13:57

Der Status Quo auf Zypern wird sich wohl in nächster Zeit kaum entspannen – Dervis Eroglus Wahlsieg am letzten Sonntag wirkt sich ernüchternd auf die Bemühungen nach einer Konfliktlösung aus. Die EU drängt nun auf eine Wiederaufnahme der Vermittlungsgespräche.

Auch wenn die bisherigen Gespräche zwischen dem von der Türkei besetzten Norden Zyperns und dem griechischen Süden kein konkretes Ergebnis brachten, war ihre symbolische Wirkung durchaus ein Signal des guten Willens. Wenn sich der als Hardliner bekannte Eroglu quer stellt, dürften die EU Beitrittsbemühungen der Türkei wohl weiterhin Zukunftsmusik bleiben.

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Der Konflikt auf Zypern – Die geteilte Insel im Mittelmeer

Eine Wahl in einem Land, das eigentlich gar nicht existiert: Genauso paradox wie diese Situation ist auch das Kommentar von Wahlsieger Dervis Eroglu zu seiner Einstellung gegenüber den Friedensbemühungen zwischen der Türkischen Republik Nordzypern und der Republik Zypern. Die Gespräche sollen demnach fortgesetzt werden, aber mit Betonung auf der Souveränität des Nordens.

Zypern als Sorgenkind der EU

De facto ist Zypern bereits seit 2004 offizielles Mitglied der EU – Und doch trifft dies nur auf eine Hälfte der 9251 Quadratkilometer grossen Insel zu, da der Norden immer noch ein militärisch besetztes Gebiet ist, dessen geopolitischer Status in einer Grauzone stagniert. Nur der Besatzer der Insel, nämlich die Türkei, erkennt den Norden als souveränen Staat an.

Der Zankapfel zwischen Türkei und Griechenland ist einer der Faktoren, der den Beitritt der Türkei in die EU behindert. Zwar hat sich die Türkei offiziell verpflichtet, das Handelsembargo gegen südzypriotische Waren aufzuheben und die Häfen wieder frei zu geben, jedoch wurden bisher keine dieser Ankündigungen in die Tat umgesetzt.

Türkisches Militär behindert Fortschritte auf Zypern

Besonders aufschlussreich ist diesbezüglich eine Volksabstimmung aus dem Jahr 2004, in der sich die Bevölkerung des zypriotischen Nordens für eine Wiedervereinigung ausgesprochen hat. Der Süden sprach sich allerdings dagegen aus, was hauptsächlich auf die starke militärische Präsenz im Norden zurückzuführen ist.

Solange die Türkei den Truppenabzug nicht vorantreibt, legt sie nicht nur dem Frieden auf Zypern Steine in den Weg, sondern schneidet sich auch ins eigene Fleisch, da der eigene Eintritt in die EU immer unwahrscheinlicher wird.

Turkish Republic of Northern Cyprus (TRNC)© flickr.com/Dan..

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter April 26, 2010 13:57