Seitensprung-Kinder? Viel weniger als angenommen!

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter Mai 28, 2016 12:00

Seitensprung-Kinder? Viel weniger als angenommen!

Seit längerer Zeit kursieren hartnäckig Studien, nach denen bis zu 30 Prozent aller Kinder von einem anderen als dem vermeintlich echten Papa gezeugt wurden. Das „Kuckuckskind“ ist Anlass zahlloser Witze, die ihre Berechtigung daraus ziehen, dass die vermutete Zahl solcher Fälle kaum unter 10 Prozent liegen dürfte, die 30 Prozent gelten als mögliche Obergrenze. In Wahrheit, so belegt es eine aktuelle Studie, ist an diesen Zahlen kaum etwas dran: Die Kuckuckskinder-Quote wird grotesk übertrieben.

Metastudie zum Kuckuckskind aus Belgien

Belgische Forscher der Uni Leuven unter der Leitung des Biologen Maarten Larmuseau haben bis Anfang 2016 frühere Studien einer generalisierten Überprüfung unterzogen. So etwas heißt Metastudie und ist für gewöhnlich ziemlich aufschlussreich. Die Wissenschaftler untersuchten, was ihnen zugänglich war – auch Daten früherer Jahrhunderte. Das Ergebnis: Weder heute noch früher wurden so viele Väter hintergangen, wie es der Volksmund gern behauptet. Es gibt zwar wirklich Kuckuckskinder, doch ihre Quote liegt (unter Menschen!) bei maximal 2 Prozent. Diese Neuigkeit sollte Väter beruhigen.

Woher kommen dann die hohen Zahlen?

Erstaunlich, aber wahr: Die Prozentzahlen über Kuckuckskinder stammen aus Laboren oder wurden (in früheren Zeiten) mit anderen ernsthaften Methoden ermittelt. Sie stimmen also. Der Irrtum ist ein rein statistischer: Den Test lassen nur Väter durchführen, die einen begründeten Verdacht hegen. Von diesen Vätern irren leider „nur“ 70 – 90 Prozent, im Rest der Fälle entstand der vermeintlich eigene Nachwuchs wirklich bei einem Seitensprung der Frau. Es gibt aber auch Untersuchungen auf einer anderen Basis, nämlich mit einer anderen Fragestellung. So hat etwa ein Wissenschaftler des Universitätsklinikums Düsseldorf unlängst Daten von deutschen Familien ausgewertet, bei denen es um eine Knochenmarkspende ging. Hierbei wurden ebenfalls „falsche“ Kinder und Geschwister ermittelt, doch ihr Anteil lag unter einem Prozent. In der Schweiz kam eine ähnliche Studie in den frühen 2000er-Jahren auf 0,64 Prozent. Allerdings belegt die jüngste Metastudie aus Belgien auch ein anderes Phänomen: Seitensprünge mit ungewolltem, anschließend dem Ehegatten untergeschobenen Nachwuchs gab und gibt es in konstant hoher Zahl um 0,6 – 1,8 Prozent Die Fälle früherer Jahrhunderte lassen sich durch Y-Chromosomenübertragungen belegen, die auch nach Generationen noch nachweisbar sind. Moderne Verhütungsmethoden verhindern also nicht das Kuckuckskind.


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von Der Kurzreporter Mai 28, 2016 12:00