Friedensnobelpreisträger hinter Gittern: Liu Xiaobo

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter Oktober 11, 2010 16:32

Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo sitzt im Gefängnis. Gefangen gehalten von der chinesischen Regierung und als Verbrecher bezichtigt, fristet er sein Dasein hinter Gittern. Und alles nur, weil er nicht weggesehen hat, weil er sich für die Menschenrechte in China eingesetzt und seine Meinung öffentlich geäußert hat.

Der Friedensnobelpreis ist einer der 5 Preise, die Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamits, in seinem Testament mit seinem hinterlassenen Vermögen dotiert hat. Weitere Kategorien des Nobelpreises sind Physik, Chemie, Medizin und Literatur. Im Jahre 1968 wurde nachträglich der Wirtschaftsnobelpreis hinzugefügt, der von der Schwedischen Reichsbank gestiftet wurde. Der Friedensnobelpreis wird jährlich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, von einer Jury in Oslo verliehen. Er ist mit 10 Millionen schwedischen Kronen dotiert.

Recht auf freie Meinungsäußerung!?

Genau diesen Preis soll im Dezember 2010 der chinesische Systemkritiker und Schriftsteller Liu Xiaobo erhalten. Leider wird er ihn wohl nicht persönlich in Empfang nehmen können, denn er sitzt in China hinter Gittern. Ende 2009 wurde er zu 11 Jahren Haft verurteilt, weil er gemeinsam mit hunderten weiteren Menschenrechtlern die Charta 08 unterzeichnete und veröffentlichte. Dies ist ein Manifest, das zur politischen Modernisierung und Demokratisierung Chinas aufruft . Liu Xiaobo wird die „Untergrabung der Staatsgewalt“ zur Last gelegt. Dabei kämpfte er lediglich für mehr Meinungsfreiheit und freie Wahlen.

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Die Entscheidung des Nobelkomitees

Für seinen Mut und seinen selbstlosen Einsatz bewundert die Jury des Friedensnobelpreises den chinesischen Menschenrechtler und steht auch entgegen des Protestes der chinesischen Regierung entschlossen für ihre Entscheidung ein. Das chinesische Außenministerium bezeichnet Xiaobo als „Kriminellen“ und empfindet seine Auszeichnung als „Schmähung“ des Friedensnobelpreises.
Thorbjoern Jagland, der Präsident des Nobelkomitees, hält dem entgegen und begründet die Entscheidung der Jury damit, dass Xiaobo unermüdlich und ohne Anwendung von Gewalt für die Menschenrechte in China gekämpft habe.

Die Ehefrau Liu Xia

Liu Xia, die Ehefrau des Inhaftierten, wendete sich stolz an die internationale Presse und dankte dem Komitee für seine Wahl. Doch mittlerweile wurde sie von der chinesischen Regierung unter Hausarrest gesetzt. Ihr Kontakt zu den Medien wird mit allen Mitteln unterbunden. Wird sie trotzdem den Preis für ihren Mann im Dezember entgegen nehmen können und wird die Preisverleihung und der internationale Druck auf die chinesische Regierung Auswirkungen auf die Inhaftierung Liu Xiaobos haben oder gar zu seiner Freilassung führen? Das werden wir in den nächsten Monaten erfahren.

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter Oktober 11, 2010 16:32