Aschewolke über Europa – Vulkanausbruch legt Flugverkehr lahm

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter April 19, 2010 17:11

Seit Mittwoch geht auf Europas Flughäfen gar nichts mehr: Der Vulkanausbruch auf Island sorgt für einen kompletten Stillstand des Flugverkehrs. Die Aschewolke über Europa breitet sich weiter aus.

Er war bis jetzt relativ friedlich, doch wenn er erstmal in Fahrt kommt, bremst ihn so schnell niemand. Die Rede ist von Eyjafjallajökull, einem 1666 Meter hohen Vulkan an der Südküste Islands. Bislang war von ihm nicht besonders viel zu sehen oder zu hören, da das Massiv grösstenteils unter Packeis verborgen war. Doch genau diese Eismassen sorgen nun für gehörigen Wirbel, da Eyjafjallajökull aus seinem Winterschlaf erwacht ist und uns seine gefrorene Decke um die Ohren bläst.

Flüge © flickr.com/blende6

Aschewolke über Europa – Schleichende Bedrohung von oben

Die Bedrohung ist mikroskopisch klein und kann doch fatale Folgen mit sich bringen. Winzige Russpartikel, die durch die Eruption des Vulkans kilometerweit in die Atmosphäre geschleudert werden, können nicht durch den Wetterradar geortet werden. Diese Partikel können durch den Sog der Flugzeugturbinen enorm erhitzt werden, und im Inneren der filigranen Maschinerie katastrophale Schäden anrichten. Die geschmolzenen Russteilchen bilden quasi eine Glasschicht auf der Oberfläche der Düsen, was im schlimmsten Fall zu einem Ausfall der Triebwerke führen kann.

Die Aschewolke aus Island – ein internationales Debakel

International reisende Passagiere müssen derzeit ihre Urlaubspläne umstellen und erhalten teilweise nur spärliche Informationen über die Auskunftsschalter der Fluggesellschaften. Obwohl Flughäfen in Südamerika, Asien oder den USA betroffen sind, sind es doch die Europäischen Luftwege, die von den Einschränkungen am härtesten betroffen sind.

Die Aschewolke ist nebenbei längst zu einem Topthema im Internet geworden, da jeder auf irgendeine Art von den Konsequenzen betroffen ist. Auf einer netten Übersichtskarte lassen sich die Twitterfeeds von frustrierten Aschegeschädigten verfolgen, die den Drang verspüren, ihren Senf zum Thema hinzuzufügen oder die neusten Islandwitze zu publizieren, wie etwa: „we told Iceland to give us cash, but somehow they misheard our request and supply us with ash„.

Stillstand auf den Flughäfen in Europa – Konsequenzen und Aussichten

Ungeachtet der nicht immer ganz ernst gemeinten Klagen über die Aschewolke müssen wir doch mit einigen durchaus ernüchternden Konsequenzen rechnen. Der letzte dokumentierte Ausbruch des Eyjafjallajökull dauerte Monate, was für den europäischen Flugverkehr einem Desaster gleichkäme.

Neben finanziellen Einbrüchen für die Fluggesellschaften hätten auch wirtschaftlich schwache Länder wie Griechenland und Portugal längerfristig enorm unter den ausfallenden Flügen zu leiden. Der Tourismus könnte als ein Standbein dieser Länder ins Straucheln geraten und die wirtschaftliche Gesamtsituation würde sich gravierend verschlimmern.

Bis Freitag geben die Meteorologen noch keine Entwarnung – Die Einschränkungen bleiben also noch mindestens 4 Tage bestehen. Doch wenigstens etwas positives ist dem Souvenir aus Islands Hexenküche abzugewinnen: Malerische Sonnenuntergänge und der so genannte Blutregen, beides eingefärbt durch die hinterhältigen Minipartikel.

[youtube py5bnjZWdQc]

Der Kurzreporter
von Der Kurzreporter April 19, 2010 17:11