Beiträge vom: April, 2008

Kategorie: Boulevard
28. April 2008

Das Wetter hat sich gegen uns verschworen. “Uns”, damit sind all diejenigen gemeint, deren Wochenenden vor lauter Arbeits- und Lernbedarf kaum mehr als solche bezeichnet werden können, und deren Wochentage (zu anderen Zeiten auch “Werktage” genannt) der eigentlichen Entspannung dienen. Also: Studenten.

Denn, kaum ist das Wochenende vorbei, bricht eine Schlechtwetterfront über deutsche Campi herein, und nichts ist mehr, wie es wahr. Biergärten, Cafés und Mensen räumen ihre Tische schnell wieder rein; das Fahrrad kann bis auf weiteres wieder im Keller festgezurrt werden, und der Baggersee verschwindet einmal mehr ins Reich der Träume.

Wann kommt endlich der Sommer? Oder sagen wir, wenigstens der Frühling, von dem überall die Rede ist?    [...mehr]


Kategorie: Allgemein
26. April 2008

Das klingt nach einem reißerischen Titel, mit dem man die Leute gegen sich aufbringt, nicht wahr? Dabei ist die These, so sehr sie auch nach freien Liberalen klingen mag, vor zwei Wochen in der “Zeit” diskutiert worden; einer Zeitung also, die seit jeher treu zur Sozialdemokratie stand und steht.

Und darum geht’s: In einem Land, das keine Studiengebühren erhebt, werden die Universitäten durch Steuergelder bezahlt. Also Dozenten, Gärtner, Kopierer, Kopierpapier, Löschpapier, Klopapier, Mensaköche, Hausmeister, Instandhaltung, Restaurierung, Reinigung, Strom, Gas, Wasser, etc., etc. Nichtsdestotrotz studieren, das lässt sich statistisch nachweisen, vornehmlich die Kinder wohlhabender Eltern – also finanziert der kleine Mann, der es sich nicht leisten kann, seine Kinder studieren zu lassen, im Zweifelsfall das Studium der Kinder reicher Eltern mit. Ist das sozial?

Studiengebühren dagegen sorgen dafür, dass jeder selbst sehen muss, wo er bleibt – ein Problem, das sich den Kindern wohlhabender Eltern so gar nicht erst stellt. Für alle anderen heißt das: Bafög, Stipendien, Kredite besorgen – und zügig durchstudieren. Was ja nicht unbedingt von Nachteil ist.

Um ehrlich zu sein, weiß ich selbst nicht, wie ich zu dieser These stehe – sie leuchtet ein; aber sie setzt ein System voraus, das den angehenden Studenten gründlich über sämtliche Möglichkeiten der Studienfinanzierung informiert. Und ein solches System fehlt zurzeit in Deutschland. Wo aber die Information fehlt, da kann eine sichere, ausgewogene und individuell eingerichtete Finanzierung kaum mehr möglich sein.    [...mehr]


Kategorie: Leben
24. April 2008

Das Easter Egg auf Google Earth gibt es seit der Google Earth 4.2 beta im letzten Jahr. Der versteckte Flugsimulator im Programm des Suchmaschinenriesen bringt einiges an zusätzlichem Spaß in die Weltkartensammlung.

Natürlich ist es kein richtiges Spiel, bei zu hohen Geschwindigkeiten im Tiefflug kommt außerdem Google Earth mit dem Nachladen der Texturen nicht mehr hinterher. Trotzdem ist das Ding ziemlich witzig. Wer mag, kann in den Einstellungen des Simulators herumspielen und sich so zum Beispiel individuelle HUDs erstellen oder die Daten für die Schwerkraft ändern.

Eine Liste der Steuerbefehle für den Simulator hat Google Earth selbst bereitgestellt. Wer schon immer mal an seinem Notebook sitzend im Tiefflug über die Golden Gate Bridge düsen wollte, für den ist der Flugsimulator ein nettes Spielzeug für zwischendurch.

Ein richtiges Spiel ist er nicht, da sollte man eher zum 2006 erschienenen Flugsimulator X von Microsoft greifen. Dafür ist das Tool umsonst und wird hoffentlich mit Google Earth mitwachsen.



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Kategorie: Boulevard, Medien
23. April 2008

Bei der Süddeutschen Zeitung gelesen: Es scheint sich ein neuer Trend im Netz anzubahnen. Patricia Walsh-Smith, Broadway-Sternchen, hat mit ihrem 25 Jahre älteren Ehemann, Broadway-Macher, über Youtube abgerechnet.

Der will sie aus dem gemeinsamen Appartment schmeißen. Leider hat er vergessen, ihr die Kamera wegzunehmen, heraus kam ein Leckerbissen für die Blog-Community, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Peinlich, peinlich… für den Ehemann, aber vor allem für Frau Walsh-Smith, die hier ein 6-minütiges Zeugnis darüber ablegt, dass sie es im Leben zu nichts weiter gebracht hat als zur Leidtragenden unter den Eskapaden ihres Mannes.

Natürlich würgt sie ihm damit eins rein, aber vor allem degradiert sie sich doch selbst. Ein Lehrvideo für alle Leute, die sich fragen, wozu man heutzutage noch Feministinnen braucht. Mit ein bisschen mehr Selbstbewusstsein in der Lebensplanung wäre Frau Walsh-Smith vielleicht gar nicht erst in diese Situation geraten.

So wird sie mit “Glück” ein paar Wochen in den Medien herumgeistern, vielleicht zu drei Talkshows eingeladen werden und danach extreme Probleme haben, einen Job zu finden.

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Kategorie: Leben
21. April 2008

Sie kann noch immer gehen und lesen – zwei grundlegende Elemente, die einen eigenständigen Menschen ausmachen. Für Edna Parker überhaupt kein Problem, beim morgendlichen Studium der kostenlosen Kleinanzeigen zeigt sich die rüstige 115jährige Amerikanerin Edna Parker amüsiert, auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

Edna Parker wurde 20. April 1893 in Indiana geboren und konnte gestern in einem Kreis fünf Enkel, 13 Urenkel und 13 Ururenkel ihren runden Geburtstag feiern. Etwas traurig wird sie, wenn sie an ihren Mann und ihre Söhne denkt, die sie allesamt überlebte. Bereits 70 lange Jahre ist Edna schon Witwe und hätte sich gewünscht ihren Mann länger an ihrer Seite gehabt zu haben.

Ihre Enkel führen ihre Rüstigkeit auf ihre Sorglosigkeit und ihr strebsames Arbeiten zurück. Bis zum 99. Lebensjahr hatte Edna noch auf dem Bauernhof gearbeitet und als „Putzfrau“ für Ordnung gesorgt. Natürlich ist die 115jährige längst in den Fokus der Medizin geraten, die auf der Suche nach den Methusalem-Genen das Blut und die DNA untersuchen. Ähnlich wie bei anderen 100jährigen erwarten sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über die Langlebigkeit.    [...mehr]


Kategorie: Kommentar
17. April 2008

Der Papst weilt zu Besuch in den Vereinigten Staaten und hat bei dieser Gelegenheit Präsident Bush, wie der “Spiegel” es ausdrückt, “die Leviten gelesen”. Man darf sich glücklich schätzen, dass es noch eine moralische Instanz gibt wie den Papst, der sich nicht scheut, den Herrschenden dieser Welt die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.

Besonders beeindruckend wirkte der Satz “Die Kirche ist überzeugt,… , dass Demokratie nur blühen kann, wenn die politischen Führer sich von der Wahrheit leiten lassen und ihre Weisheit auf moralische Grundsätze aufbauen“. Der Papst hatte völlig recht, von “politischen Führern” zu sprechen. Journalisten sprachen von einer “Ohrfeige”, die der Heilige Vater dem Präsidenten damit gegeben habe. Immerhin hat dieser, wie wir alle wissen, seine Irakpolitik auf einem Fundament aus Lügen gebaut.

Ich bin erleichtert und wahrhaft dankbar, dass der Heilige Vater auf seinen gelegentlichen Auslandsreisen klar Stellung bezieht zu den Krisen von gestern.

Ferner bin ich glücklich, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte als unbestrittene Autorität auf dem Gebiet der Kriegsgründe erwiesen hat, den Herrschenden dieser Welt deutlich macht, dass sie kein Anrecht darauf haben, einen Krieg auf Lügen zu basieren.

Joseph Ratzinger, der feinsinnige Theologe, ist auch ein großer Reformator: Erst kürzlich, im April 2007, hat der den Limbus, die Vorhölle für die ungetauften Kinder, abgeschafft. Mit den Lügen räumt er ja richtig gründlich auf.    [...mehr]


Kategorie: Kommentar
15. April 2008

Italien hat gewählt. Wer die politischen Kommentare zur Wahl verfolgt hat, den mag es nicht sonderlich erstaunen, dass Silvio Berlusconi gewonnen hat - ebenjener Politiker und Medienzar, den die Italiener noch vor drei Jahren frustriert abgewählt hatten. Berlusconi, in dessen Regierungszeit größtenteils Gesetze fallen, die zugunsten seiner eigenen Interessen funktionieren – Silvio, der eigens ein Gesetz erließ, das ihm als Ministerpräsident Immunität garantierte, als er einmal verklagt wurde … Wie war seine Wiederwahl möglich?

Zunächst gilt es zu berücksichtigen, wie die letzten drei Jahre in Italien verliefen: Katastrophal. Romani Prodi war mit dem Anspruch angetreten, Berlusconi abzulösen – koste es, was es wolle. Letztlich hat es ihn die Regierungsmacht gekostet: Denn seine 13-Parteien-Anti-Berlusconi-Koalition war genau das – und sonst nichts. Demenstprechend schwierig gestaltete sich das Regieren; und zuletzt ist die Koalition zerbrochen.

In der jüngsten Wahl trat Walter Vetroni, seines Zeichens ehemaliger Bürgermeister Roms, gegen den Medienkönig an. Sein Wahlkampf war nüchtern, sachorientiert, ehrlich: Kaum nahm er je den Namen seines Kontrahenten in den Mund. Von den zwielichtigen, halblegalen Geschäften Berlusconis ließ Vetroni nichts verlauten – politische Größe, oder ein strategisches Missgeschick? Jedenfalls hat er’s nicht geschafft. Einen inhaltlichen Wahlkampf zu führen gegen einen Mann, der ein Medienimperium kontrolliert – das klingt wie David gegen Goliath; bloß, dass der Ausgang nicht so nett sein dürfte wie in der heimeligen Bibelgeschichte.

Viele namhafte Intellektuelle unterstützen Kampagnen gegen Berlusconi. Darunter auch Umberto Eco: Der Professor aus Bologna hatte angedroht, er würde in die Heimat seiner Frau – nach Frankfurt – ziehen, sollte Berlusconi nochmal wiedergewählt werden.

Und damit könnte die ganze Tragödie einen – subjektiv – versöhnlichen Schluss bekommen: Umberto Eco könnte demnächst mein Nachbar sein.    [...mehr]


Kategorie: International, Kommentar
14. April 2008

Von erloschenen Fackeln und entflammten Demonstranten 

Der Skandal um den olympischen Fackellauf wird leider viel ernster genommen, als angemessen wäre. Denn die Motivation der vermeintlichen Menschenrechtsaktivisten, die zurzeit auf sämtlichen Erdteilen gegen die olympischen Sommerspiele in China protestieren, ist vermutlich weit weniger reflektiert, als dem Anlass angemessen wäre.

Was ist mit den Basken? Wer kümmert sich um Nordirland?

Die “Free Tibet”-Parolen entlarven ein naives Weltbürgertum, das allen Ernstes meint, man könne den autarken Riesen China mittels einiger Proteste irgendwo am anderen Ende der Welt zum Einlenken zwingen. Von wegen: In den chinesischen Medien tauchen die Proteste rund um den Fackellauf einfach nicht auf. Welchen Zweck erfüllen sie dann? Vielleicht diesen: Die westliche Wohlstandsgesellschaft tut mal wieder etwas für ihre schwer angeschlagenes Gewissen – wenigstens für das Land, dessen religiöses Oberhaupt in unseren Breiten so umfassende Sympathien geniesst. (Und das obwohl, wie die “taz” konsequent bemerkte, der Staat des Dalai Lama selbstverständlich eine Theokratie wäre; also durchaus nichts, wofür der sogenannte Westen sonst gerne eintritt.) Und, davon abgesehen: Was ist mit all den anderen Ländern und Regionen auf der Welt, die seit Jahren – Jahrzehnten – um ihre Unabhängigkeit kämpfen?

Die unglaubliche Popularität des Dalai Lama in der westlichen Welt ist für Tibet Fluch und Segen zugleich. Einerseits mag er, der beständige Friedensmahner, entscheidend dazu beigetragen haben, dass der Tibetkonflikt nur selten in Gewalt ausgeartet ist – ohne seine Intervention wären aus Separatisten vermutlich längst Terroristen geworden. Andererseits provoziert seine ständige Gegenwärtigkeit in den westlichen Medien nun eine Reaktion in Europa und Amerika, die realpolitisch desaströs sein könnte.

Manchmal wäre ein bisschen weniger Emotion und ein wenig mehr Vernunft von Vorteil.    [...mehr]


Kategorie: Politik
10. April 2008

Anscheinend hat sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den gestrigen OECD-Bericht zu sehr zu Herzen genommen, als er gegenüber der Süddeutschen Zeitung ankündigte, seine Ministerkollegen Michael Glos (CSU, Wirtschaft), Annette Peer Steinbrück ©wikipediaSchavan (CDU, Bildung), Wieczorek-Zeul (SPD, Entwicklungshilfe) und Wolfgang Tiefensee (SPD, Verkehr) notfalls vom kommenden Haushalt auszuschließen und den Haushalt selbst aufzustellen.

Rein rechtlich gesehen, wäre dies überhaupt kein Problem, aber in der deutschen Politik-Geschichte ein einmaliger Akt. Die Forderungen der eingangs erwähnten Minister lagen erheblich über den Planungen des Finanzministers, der immer wieder trotz der guten Wirtschaftslage eine moderate Ausgabe der zur Verfügung stehenden Mittel fordert. Würde Steinbrück den Forderungen seiner Kabinettskollegen nachgeben, lägen 2009 die Ausgaben rund 7,5 Milliarden Euro über der Planung und 2012 gar 41 Milliarden. Unterstützung erhielt der Bundesfinanzminister vom OECD-Bericht, worin man Deutschland auf einen guten Weg sehe und weiter an der soliden Finanzierung festhalten müsse, um einen langfristigen wirtschaftlichen Effekt zu erzielen.

Als Reaktion auf die Ankündigung Steinbrücks fielen in den Nachrichten Worte wie „Entmündigung“, “Schädlich” und “unprofessionelle Konfliktstrategie”.

Da scheint Steinbrück in einen Bienenstock gestochen zu haben, klug war sein Vorgehen mit Sicherheit nicht, auch wenn die Intention die richtige war. Es kann trotz aller positiven Vorhaben nicht sein, dass man das Geld wieder mit Händen zum Fenster rauswirft, statt an der Konsolidierung des Haushaltes festzuhalten. Er hätte geschickter verhandeln müssen, um seine Ziele zu erreichen, wird nun aber dauerhaft der Kritik seiner Politikerkollegen ausgesetzt sein.

Noch mehr interessante und spannende Neuigkeiten zum Finanzminister auf sprengsatz

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Kategorie: Boulevard
7. April 2008

Der Berliner Zoo hat dieser Tage zu seiner Überraschung feststellen müssen, dass Knut sich tatsächlich wie ein Eisbär verhält.

Die Verantwortlichen hatten zehn Karpfen in den Wassergraben des Geheges gesetzt, die eigentlich als Putzfische fungieren und den Beton reinigen sollten. Leider war Knut nicht in Stimmung für pazifistisches Miteinander und tötete die neuen Mitbewohner kurzerhand.

Knut isst tatsächlich Fisch! © wikimedia / Gabriele Delhey

Ich habe beim Spiegel sogar gelesen, dass sich zufällig anwesende Besucher über das “abstoßende” Spektakel beschwert haben sollen. Ist ja auch nicht richtig, dass der liebe Knut sich jetzt auf einmal als Raubtier outet. Haben wir nicht alle sein Kuscheltier zu Hause? Wie sollen wir jetzt noch unseren Kindern Dinge sagen wie “Aber wenigstens der Knut hat dich lieb”, wenn der Eisbär unseres Vertrauens mit blutigen Lefzen die Träume der Kleinen heimsucht?

Wie werden die Gerichte auf den Mord an den “Wildtieren” (Ja, die Rede ist immer noch von den Karpfen) reagieren? Droht Knut jetzt eine Untersuchungshaft wegen ungebührlichen Benehmens in der Öffentlichkeit? Und wird dieser Vorfall den Ex-Papi Dörflein vom Knuddeln abhalten?

Klar ist bisher nur, dass im Eisbärengehege keine Karpfen mehr putzen dürfen. Der Job ist gefahrenbedingt wohl um ein paar Einkommensklassen gestiegen, vielleicht melden sich ja ein paar interessierte Piranhas.

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